Bildungsinitiative Chemie
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Workshops




















Workshop Berlin / Brandenburg
19. November 2002

Gut ausgebildete und hoch motivierte junge Menschen
sind das Kapital der Zukunft

Am 19. November 2002 ging die Bildungsinitiative Chemie in Berlin und Brandenburg an den Start. Zum Auftakt-Workshop kamen mehr als 120 Schüler, Lehrer, Hochschullehrer, Unternehmer und Arbeitnehmervertreter ins Berliner Umweltforum und diskutierten Wege und Möglichkeiten, die Beschäftigung mit Chemie attraktiver zu machen und bei Schülern mehr Interesse und Verständnis für naturwissenschaftlich-technische und ökonomische Zusammenhänge zu wecken.


Anders als in den so genannten alten Bundesländern hat die chemische Industrie in den neuen Bundesländern und in Berlin in den vergangenen zwölf Jahren einen beispiellosen Wandel erlebt. In den neuen Bundesländern wurden zahlreiche alte, marode Anlagen abgerissen, in Berlin (West) fand durch den raschen Abbau der Berlinförderung und dem härter werdenden internationalen Wettbewerb ebenfalls ein enormer Anpassungsprozess statt. Inzwischen ist in Ostdeutschland eine der modernsten chemischen Industrien der Welt entstanden.

Sie bietet derzeit mehr als 43 000 Arbeitsplätze. Doch Alterstruktur der Beschäftigten auf der einen und demografische Entwicklung auf der anderen Seite weisen schon heute auf die zu erwartenden Probleme hin: Viele Mitarbeiter werden in den kommenden Jahren aus Altersgründen die Betriebe verlassen und gleichzeitig wirkt sich der sogenannte „Wendeknick“ bei den Geburten aus. Der Nachwuchs für die Neubesetzung dieser Stellen fehlt, die demografische Falle schnappt zu. Dem will die Bildungsinitiative Chemie vorbeugen, indem sie dort ansetzt, wo die Grundsteine für die Orientierung auf das spätere Berufsleben gelegt werden: In den Schulen.


Hans-Jürgen Schmidt, Leiter des Landesbezirks Nordost der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in seiner Eröffnungsrede: “Die IG BCE fordert zum Thema Bildungspolitik - auch vor dem Hintergrund der PISA-Studie - eine Qualifizierungsoffensive. Verkrustete Strukturen im föderativen System der Schul- und Hochschulpolitik müssen entbürokratisiert werden.“

Dem schlossen sich auch der Vorstandsvorsitzende des Arbeitgeberverbands Nordostchemie e. V., Horst Huß, sowie Dr. Kurt Begitt von der Gesellschaft Deutscher Chemiker an. Huß: „Wir, die Partner der Bildungsinitiative, machen uns große Sorgen um die Zukunft unseres Industriezweiges. Bereits jetzt stellen wir fest, dass das Interesse junger Menschen an einem Arbeitsplatz in der Chemie nachlässt beziehungsweise dass Bewerber für unsere Ausbildungsplätze nicht die erforderlichen Voraussetzungen mitbringen“. In den Jahren 2008 und 2009, so Huß weiter, werde die Zahl der jährlich in Ostdeutschland angebotenen offenen Stellen für Hochschul- und Fachhochschulabsolventen auf 600 angewachsen sein: Chemiker, Ingenieure und Verfahrenstechniker.


Eine Kehrtwende in der Bildungspolitik forderte auch Dr. Kurt Begitt. Ein Industriestandort wie Deutschland könne sich nicht länger die offenkundigen Defizite in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Allgemeinbildung leisten. Gleichzeitig müsste in den Schulen aber auch wieder verstärktes Augenmerk auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen gelegt werden.

Dieses Resultat zeichnete sich auch schnell in den Arbeitsgruppen des Workshops ab. Wichtig bei der Frage, „welche Qualifikationen Unternehmen von Hochschulabsolventen erwarten“ sei, wann und von wem diese Anforderungen den Schülern vermittelt würden. In einem Kooperationsmodell mit der BASF habe sich gezeigt, dass sinnvoller Weise die Berufsorientierung in der 8. bis 10. Klasse erreicht sein sollte. Um die Entscheidungsfindung bei den Schülern zu fördern, sei es hilfreich, den Lernort zu wechseln und aus dem Schulalltag heraus zu gehen.


Einmütigkeit bestand darin, dass ein an Naturphänomenen orientierter naturwissenschaftlicher Unterricht bereits in der Grundschule beginnen sollte. Dabei könne die natürliche Neugier der Kinder in diesem Alter genutzt und eine Kombination der Naturwissenschaften mit Hilfe interessanter Experimente vermittelt werden. Deshalb wurde angeregt, für Grundschullehrer eine naturwissenschaftliche Basisausbildung einzuführen.

Bei allen Bemühungen dürften aber die Eltern nicht ausgeschlossen werden, denn nur interessierte Eltern motivieren auch ihre Kinder.

Eine starke Motivation gehe auch von Wettbewerben aus. Sie steigern das Interesse der Schüler und die Fördergelder könnten zudem den Etat der Schulen für derartige Projekte aufstocken.

Insgesamt, so die Arbeitsgruppen, solle auch die Industrie stärker in die Pflicht genommen werden, sich an der Motivierung der Schüler zu beteiligen. Denn sie wolle gute Auszubildende haben.


Besonders mangelhaft, so ein weiteres Arbeitsgruppenergebnis, verlaufe derzeit die Zusammenführung von Schule und Beruf in den Gymnasien. Zwei- bis dreiwöchige Praktika, die der Rahmenplan zulässt, kosten die Unternehmen meist relativ viel Geld, da sie Personal dafür abstellen müssen, bringen aber den Schülern wenig Einblicke in die Realität der Berufswelt. Grundsätzlich seien die Unternehmen gerne bereit, „etwas zu geben“, wollen aber verständlicherweise auch etwas dafür zurück haben - motivierten Nachwuchs.

Um den Schülern die Berufswelt anschaulicher vermitteln zu können, müssten in vielen Fällen aber auch die Lehrer bessere Einblicke in den Arbeitsalltag in der Industrie bekommen. Die Erwartungen an die politischen Entscheider waren eindeutig: mehr Geld für Kooperationsprojekte, um die Naturwissenschaften an den Schulen aufwerten.

Dass es schon jetzt Beispiele für erfolgreichen und zeitgemäßen Chemieunterricht an den Schulen gibt, zeigte der „Markt der Möglichkeiten“: Die Chemieverbände Nordost und die Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH (QFC) - eine Tochtergesellschaft der IG BCE - hatten 20 Projekte eingeladen, mit denen es bereits gelungen ist, junge Menschen für Naturwissenschaften zu begeistern. Mit ihren Projekten haben die Gäste, überwiegend Schulen, aber auch Vereine und Universitäten, den Workshop eindrucksvoll unterstützt und den Besuchern viele Anregungen für eigene Projekte gegeben: zur Nachahmung empfohlen!
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