Bildungsinitiative Chemie
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Workshop Halle
19. November 2001

150 Schüler, Lehrer, Hochschullehrer, Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreter trafen sich zum dritten Workshop
der Bildungsinitiative Chemie.

Am 19. November 2001 trafen sich in Halle an der Saale 150 Schüler, Lehrer, Hochschullehrer Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreter zum dritten Workshop der bundesweiten Bildungsinitiative Chemie. An der Podiumsdiskussion beteiligte sich auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Dr. Gerd Harms.


Der dritte Workshop der Bildungsinitiative Chemie fand in der Saale- und Universitätsstadt Halle statt und war damit zugleich der erste in den neuen Bundesländern. 150 Schüler, Lehrer, Hochschullehrer sowie Politiker und Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreter diskutierten spezifische Probleme im Osten Deutschlands und entwickelten Lösungsansätze, wie der Chemieunterricht an den Schulen interessanter gestaltet werden kann, um so den Schülern naturwissenschaftlich-technische, aber auch ökonomische Zusammenhänge näher zu bringen.

Hans-Jürgen Schmidt, Leiter des Landesbezirks Nordost der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) brachte es in seiner Begrüßungsrede bereits auf den Punkt als er forderte: „Verkrustete Strukturen im föderativen System der Schul- und Hochschulpolitik müssen entbürokratisiert werden.“


Die erste Orientierung auf das spätere Berufsleben findet in der Schule statt. Warum, so eine grundlegende Frage schneiden die naturwissenschaftlichen Berufe dabei so schlecht ab? Als Gründe wurden ein Informationsdefizit ausgemacht, das auch von den Arbeitsämtern nicht gefüllt wird, sowie ein sich daraus ergebendes schlechtes Image der Chemie. Ein Weg aus dieser Situation heraus könnten frühzeitige Praktika sowie Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben sein. Um auch kleine Betriebe an diesem Modell beteiligen zu können, bieten sich „Firmenpools“ an, die gemeinsam Partner einer Schule sind. Parallel müsse die Lehrerweiterbildung ernster genommen werden – eine Forderung, die auch von Seiten der Lehrer kommt. Auch dies könne in Kooperation mit Betrieben geschehen. Kontakte zu Betrieben würden die Lehrer zudem näher an die Berufswelt heranbringen, dadurch können sie die naturwissenschaftlichen Berufsbilder auch besser vermitteln.

Persönliche Kontakte fördern das Verständnis füreinander und die Schüler könnten durch den regionalen Bezug besser für den Chemieunterricht motiviert werden.

Um den Chemieunterricht interessanter gestalten zu können, so weitere Anregungen, müsse er in den Lehrplänen eine höhere Wertschätzung bekommen und thematisch bessere Bezüge zum Alltag herstellen. Als Lösung eventuell auftretender Finanzierungsprobleme bieten sich auch hier wieder Patenschaften mit der Wirtschaft an. Gute Ansätze dazu gibt es in Sachsen-Anhalt, wo Begegnungsinitiativen oder das „Chemobil“ „Chemie zum Anfassen“ bieten.

Dabei ist es für die Schüler weniger wichtig, sich umfangreiches Detailwissen anzueignen als vielmehr „das Lernen zu lernen“. Vertreter der Hochschulen und aus den Betrieben formulierten denn auch einmütig ihre Vorstellungen vom idealen Studenten beziehungsweise Auszubildenden: Er verfügt über methodische Kompetenzen, Individualkompetenzen – zum Beispiel Durchhaltevermögen, Neugier, Sich-selbst-organisieren können -, soziale Kompetenzen wie Fähigkeit zur Teamarbeit und zum leistungs- und ergebnisorientierten Arbeiten sowie über grundlegende fachliche Kompetenzen. Wichtig dabei: gefragt ist ein breites, keinesfalls ein in die Tiefe gehendes naturwissenschaftliches Grundlagenwissen.


Vor einem ganz besonderen Problem wird die hochmoderne chemische Industrie, die sich in den vergangenen zehn Jahren in den ostdeutschen Bundesländern entwickelt hat, demnächst stehen: der so genannten demografischen Falle. Aufgrund der Entwicklung der Bevölkerung wird es deutlich weniger Schulabgänger geben und zugleich werden viele Arbeitnehmer aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausscheiden. Um all diese Menschen an ihren Arbeitsplätzen zu ersetzen, müsse die chemische Industrie in den kommenden Jahren erheblich mehr Auszubildende aufnehmen als die derzeit 750, betonte Rolf Siegert, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Nordost und des Arbeitgeberverbandes Nordostchemie. e.V..

Die Zahl der Lehrstellen in der ostdeutschen Chemie ist im Jahr 2001 bereits um 20 Prozent gestiegen. Dennoch will die ostdeutsche Chemie ihre Anstrengungen zur Ausbildung eines qualifizierten Nachwuchses weiter verstärken.


"Wir müssen auch wieder mehr junge Menschen für ein Chemiestudium bzw. ein
ingenieurtechnisches Studium interessieren. Nach Umfragen von April und Juni 2001 haben unsere Unternehmen bereits jetzt Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter mit den Qualifikationen Verfahrenstechniker, Diplomingenieure für Biotechnologie sowie aus dem ingenieurtechnischen Bereich zu finden, weil zu wenige ausgebildet werden." sagte Dr, Gerwald Grahe, Vorsitzender des Verbandes der Chemischen Industriee.V., Landesverband Nordost.

Auch die IG BCE macht sich im Rahmen des bundesweiten, aber auch regionaler Bündnisse für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit für Bildungspolitische Fragen stark. Ihre Tochtergesellschaft, die Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH (QFC), unterstützt schon seit 1997 erfolgreich die Ausbildung im Verbund. Geschäftsführerin Andrea Pichottka: „Sie ist eine Chance für kleine und mittelständische Unternehmen, sich an der Ausbildung des Nachwuchses zu beteiligen.“ Viele Unternehmen könnten ohne den Verbund nicht ausbilden, da sie nicht die Anlagenvielfalt haben, um Lehrplangerecht auszubilden. Pichottka: „Wir wollen Sachsen-Anhalt fit und attraktiv machen mit qualifizierten Arbeitnehmern.“ Der eintägige Workshop wurde begleitet vom „Markt der Möglichkeiten“. Firmen, Verbände und Schulen stellten Projekte vor, mit denen es ihnen gelungen ist, junge Menschen für Naturwissenschaften zu begeistern.
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