Bildungsinitiative Chemie
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Workshop Nürnberg
24. Januar 2003

Bildungsinitiative Chemie: Kultusministerin kündigt Verbesserungen für den naturwissenschaftlichen Unterricht in Bayern an.

Drei Ereignisse, die alle das Verständnis für die Naturwissenschaften, insbesondere für die Chemie auf eine breitere Basis stellen wollen, wurden am 24. Januar 2003 von den Bayerischen Chemieverbänden in Nürnberg zusammengeführt:
- die Eröffnung des Jahres der Chemie in Bayern
- die neunte Arbeitstagung der Bildungsinitiative Chemie
- die offizielle Eröffnung des GDCh-Lehrerfortbildungszentrums.



„Entwicklung und Erkenntnisse bei den Naturwissenschaften sind enorm gewachsen und ihre wirtschaftliche Umsetzung nimmt ständig zu. Diesen wachsenden Anforderungen muss im Chemieunterricht Rechnung getragen werden, vor allem muss auch seine Qualität mitwachsen.“ Mit diesen Worten begrüßte der Vorsitzende der Bayerischen Chemieverbände, Dr. Hans Seidl Kultusministerin Monika Hohlmeier.

Durchaus im Einklang mit den Zielen der Bildungsinitiative Chemie standen die Ausführungen der bayerischen Kultusministerin: Bayern werde seine Anstrengungen im Fach Chemie verstärken. Mit Beginn des neuen Schuljahres 2003/2004 werde an den Gymnasien in den fünften Klassen das neue Pflichtfach „Natur und Technik“ eingeführt. Hier dürften die Schüler selbst experimentieren und eigene Erfahrungen mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen und Lösungswegen sammeln. Der neue Grundschullehrplan sehe einen Ausbau naturwissenschaftlicher Inhalte im Heimat- und Sachunterricht vor, z.B. einfache Schülerexperimente in der zweiten Klasse. An den Gymnasien werde der Chemieunterricht anwendungsorientierter werden und an den sprachlichen Gymnasien werde der Chemieanteil verdoppelt.

Wurden schon diese Verbesserungen mit Zustimmung aufgenommen, so fand die Kultusministerin spontanen Beifall bei den rund 200 Teilnehmern, als sie es eine „semantische Fälschung“ nannte, wenn die Auffassung verbreitet werde, die Biologie sei das Gute und die Chemie das Schlechte. „Diesen Unfug müssen wir aus den Köpfen der Menschen wieder herausbringen“ forderte die Ministerin und brachte damit ein Grundanliegen der Bildungsinitiative auf den Punkt.

Für die IG BCE sprach Seppel Kraus, Landesbezirksleiter der IG Bergbau Chemie Energie Bayern: „Uns muss allen klar sein, dass Bildung und qualifizierte Mitarbeiter Standortvorteile sind, die wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen, darum müssen wir schon sehr früh beginnen, alles daran zu setzen, in Zukunft wieder eine Vorreiterrolle im Bereich Bildung spielen zu können.“. Die Sozialpartner wollten gemeinsam Verantwortung für die Weiterentwicklung des Bildungssystems übernehmen und sich darum bemühen, die Ausbildungsberufe in der Chemie für die Schulabgänger attraktiver zu gestalten.

Für einen frühen Beginn des naturwissenschaftlichen Unterrichts, für eine bessere Lehrerausbildung, für mehr Freiräume der Schulen für Eigeninitiativen und Innovationen sprach sich Dr. Kurt Begitt, Sprecher Bereich Bildung und Beruf in der GDCh aus. Leistungsorientierung und Qualitätsmanagement seien wichtige Bausteine für die Schule der Zukunft. Auch sei notwendig, die Imageprobleme der Chemie als Schulfach wie als Industrie aktiv anzugehen und für eine öffentliche Wahrnehmung zu sorgen, die der wirklichen Bedeutung der Chemie für Lebensstandard und Wirtschaftskraft gerecht werde.

In den Arbeitsgruppen wurde eingehend diskutiert. Die Teilnehmer hoben als besonders anregend und informativ hervor, dass Gesprächspartner aus den verschiedensten Bereichen einbezogen waren. So kamen erfreulich viele Lehrer und Schüler, unter anderem auch aus Grund- und Hauptschulen, die heute noch nicht ausreichend im Zusammenhang mit Chemieunterricht genannt werden. Dazu Vertreter der Schulbehörden, Chemiedidaktiker, Hochschullehrer und Vertreter aus Chemieunternehmen und Elternvereinigungen, die Abgeordneten Joachim Unterländer und Bernd Sibler aus dem Kulturpolitischen Ausschuss des Bayerischen Landtags, und, weil man „die Rechnung nicht ohne den Wirt“ machen wollte, Repräsentanten der Gebietskörperschaften zum Beispiel des Bayerischen Städtetages. Es wurde anhand erfolgreicher Beispiele aufgezeigt, wie der Chemieunterricht attraktiver gestaltet werden kann. Die zunehmend akzeptierte Erkenntnis, dass die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Themen früher, möglichst schon im Kindergartenalter, begonnen werden sollte, wurde breit erörtert.

Aber auch Schwierigkeiten wurden diskutiert: So, wenn Dr. Seidl erläuterte, dass Kooperationen zwischen Schulen und Firmen nur in unzureichendem Ausmaß möglich seien, weil in Bayern die chemische Industrie nicht flächendeckend vertreten ist. Er lobte in diesem Zusammenhang die chemischen Fakultäten an den bayerischen Universitäten, weil sie sich für Schulen und Lehrer weit geöffnet haben. Er bot an, diese Möglichkeiten noch stärker zu unterstützen, wenn die Universitäten daran interessiert wären.

Als attraktiver Anziehungspunkt erwies sich der Markt der Möglichkeiten. 26 Aussteller, unterstützt und angespornt von engagierten Schülern präsentierten Modellprojekte für einen attraktiven Chemieunterricht.

Einen Beitrag zur Verbesserung der Lehrerfortbildung kann nun das neu eröffnete GDCh-Lehrerfortbildungszentrum der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät (EWF) der Universität Erlangen-Nürnberg leisten. „Ich hoffe, von diesem Ort geht eine Initiative, nicht nur für den Chemieunterricht, sondern zum Verständnis der Naturwissenschaften im allgemeinen aus.“ Mit diesen Worten gab Kultusministerin Hohlmeier den Startschuss zum Jahr der Chemie in Bayern.
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